Eine Hochzeit nur zu zweit
Tanja und Thomas kommen aus der Nähe von Bonn. Für ihre Hochzeit hatten sie sich etwas vorgenommen, das man in Deutschland noch viel zu selten sieht: Sie wollten ganz allein heiraten. Keine große Gesellschaft, keine lange Gästeliste, keine aufwendige Feier. Nur sie beide. Und genau deshalb stellt sich natürlich die Frage: Nennt man das nicht ein Elopement in Leipzig?
An einem angenehm warmen Septembertag trafen wir uns vor dem Standesamt Leipzig. Tanja und Thomas hatten einen Picknickkorb dabei, beide trugen Lederjacken und wirkten vom ersten Moment an völlig entspannt. Die kleinen Details verrieten schnell, dass die beiden auch sonst eher rockig unterwegs sind. Schmuck, Accessoires und ihr gesamter Stil hatten Persönlichkeit und Charakter – weit entfernt vom klassischen Hochzeitsklischee und dennoch in den klassischen Farben.
Besonders schön war das Ringkästchen. Statt aufwendiger Dekoration bestand es aus allem, was die Natur an diesem Tag zu bieten hatte: Kastanien, Eicheln, ein Stück Ast, etwas Wiese und kleine Steinchen. Schlicht, ehrlich und perfekt passend zu den beiden.
Eine bewegende Trauung im Standesamt Leipzig
Die Trauung fand im Standesamt Leipzig statt. Ein beeindruckender Trausaal, der normalerweise Platz für rund 60 Gäste bietet. An diesem Tag saßen dort jedoch nur zwei Menschen: Tanja und Thomas.
Es fühlte sich zunächst ungewohnt an. Ein großer Raum, keine Familienmitglieder, keine Freunde, keine Gäste. Und doch entwickelte sich gerade daraus eine ganz besondere Atmosphäre. Alles konzentrierte sich auf das Wesentliche: die beiden Menschen, die sich das Ja-Wort geben wollten.
Die Trauung war bewegend, persönlich und voller Emotionen.
Über der Welt hing damals noch der Corona-Fluch. Im Standesamt machte sich das allerdings lediglich dadurch bemerkbar, dass die Standesbeamtin hinter einer Plexiglasscheibe Platz genommen hatte. Ein etwas skurriler Anblick, der heute fast schon wieder wie eine Erinnerung aus einer anderen Zeit wirkt.
Fototour durch Leipzig
Nach der Trauung um 12 Uhr hatten wir jede Menge Zeit. Das eigentliche Abendprogramm begann erst um 17 Uhr. Der Plan war, die Stunden dazwischen für eine ausgedehnte Fototour durch Leipzig zu nutzen. Denn genau darum ging es an diesem Tag: Erinnerungen schaffen.
Unser erster Halt führte uns in ein Café am Thomaskirchhof. Dort gönnten wir uns einen kleinen Sektempfang. Ganz ohne Verpflichtungen, ganz ohne Zeitdruck. Einfach zusammensitzen, anstoßen und den Moment genießen. Anschließend machten wir uns auf den Weg durch die Leipziger Innenstadt. Das Ziel unserer Wanderung war denkbar einfach: schöne Bilder.
Leipzig bietet dafür unzählige Möglichkeiten. Historische Fassaden, verwinkelte Gassen, moderne Architektur und immer wieder überraschende Hinterhöfe machen die Stadt zu einer großartigen Kulisse für Hochzeitsfotos.
Ein kleiner Umweg durch die Stadt
Ein wenig Pech hatten wir allerdings in der berühmten Mädler-Passage. Wir hatten noch gar nicht begonnen zu fotografieren, da wurden wir von der Security angesprochen und nach einer Fotogenehmigung gefragt. Eine schriftliche Erlaubnis hatten wir natürlich nicht. Also hieß es: weiterziehen. Zum Glück gehen einem in Leipzig die Fotolocations nicht so schnell aus.
Da wir nur zu dritt unterwegs waren, wurde mein Auto kurzerhand zum Hochzeitstaxi. Gemeinsam fuhren wir zunächst in den Clara-Zetkin-Park. Zwischen alten Bäumen, weiten Wiesen und den Wasserläufen entstanden entspannte und natürliche Bilder.
Danach ging es weiter nach Plagwitz. Der ehemalige Industriestandort gehört heute zu den spannendsten Ecken der Stadt. Backsteinfassaden, Kanäle und urbane Atmosphäre bilden einen wunderbaren Kontrast zu den klassischen Motiven aus der Innenstadt.
Die geplante Gondelfahrt
Für den Abschluss hatten die beiden noch etwas ganz Besonderes geplant: Eine Gondelfahrt auf der Weißen Elster. Tatsächlich gibt es in Leipzig eine originale venezianische Gondel, mit der man über die Wasserwege der Stadt fahren kann. Die Vorstellung klang perfekt für ein Elopement in Leipzig: ein frisch verheiratetes Paar, warmes Nachmittagslicht auf dem Wasser und eine romantische Fahrt durch Leipzig.
Doch manchmal schreibt das Leben seine eigenen Geschichten. Der Gondoliere erschien nicht. Also gab es auch hier eine kleine Portion Pech.
Ein perfekter Abschluss trotz Planänderung
Wir nahmen es mit Humor, machten stattdessen noch einige Fotos auf der Könneritzbrücke und genossen die letzten gemeinsamen Minuten dieses besonderen Tages.
Und genau dort endete unser kleines Elopement in Leipzig. Ohne große Hochzeitsparty. Ohne hunderte Gäste. Ohne perfekt durchgeplanten Ablauf. Aber mit ganz viel Persönlichkeit, Freiheit und Zeit füreinander.
Manchmal braucht es eben nicht mehr als zwei Menschen, die genau wissen, dass sie zusammengehören.





































